







An diesem Ort
Prolog und Szene
für
Sopran und Kammerensemble
Libretto: Silke Kruse

»An
diesem Ort« ist die Geschichte einer Frau,
die Abend für Abend am
gleichen Ort den Gefährten einer Liebesnacht zurück erwartet.
Als eine Art Wahnsinn ihr
seine Rückkehr vorgaukelt,
durchlebt sie die Begegnung
ein zweites Mal.

Ja...ja...hier wohl,
ja, hier muß es gewesen sein,
aber das ist lange her.
An diesem Ort
spielte die Geschichte,
die ich grade lese.
Sie handelt von einer Frau,
die
hier einen Geliebten hatte
für eine Nacht, und ihn
seitdem,
solang man denken
konnte,
hier
auch Tag für Tag -
Abend für Abend
aufs Neue erwartete, aber
er kam nicht zurück.
Wo ist mein Schatz geblieben?
Hat ihn keiner gesehn?
Ich warte hier solang, bis er
kommt.

So schwarz und
leer,
so weit und
groß
und dunkel
ist der Ort.
Und keiner
kennt
den schönen
Ort,
der ist für
mich allein.
Was ist das bloß?
Wo
warst du so lange?

Auf dem dünnen Eis,
auf dem
leichten Schnee,
stehen zwei
zusammen
über dem
tiefen See.“

„Blieben stehn und träumten,
und sind nicht mehr erwacht,
denn das dünne Eis hielt
nur für eine Nacht.“
Du kamst aber nicht, auch
nicht den nächsten Abend.
Dann wurden die Abende immer
kürzer
und irgendwann wieder länger,
und Abend für Abend hatte ich
Zeit zu erinnern,
was du beim Gehen noch alles
gesagt hast:
„...hier am gleichen Ort. Aber
warte nicht auf mich,
wenn es Nacht wird, geh nach
Haus.
Und nun laß mich weg, es wird
schon hell.“
Mehr sagtest du nicht,
das war alles.

Nein, nicht, du nicht,
du bist es ja nicht,
du bist hier nicht mehr.
Nie mehr! Nie mehr
kommt er hierher,
nicht mehr zu mir.
Den ich hier hielt,
der ist nicht mehr,
und der noch lebt,
ist ein andrer anderswo.
Ich weiß nicht, wo ich bin.
Welch ein dunkler Ort!

Die Sonne
verschwand,
und der
Abend ist hell,
aber
schön und groß
strahlt
mein Schatz.
Wie ein
Stern von draußen
ist er hier
aufgetaucht,
plötzlich
zurückgekommen
wie ein
Gedanke, und so
vergeht er
auch wieder,
und ich
gehe weiter,
suche ihn
hier nicht mehr,
such ihn
bei mir.
Uraufführung im Heckentheater Rheinsberg 1999
Auftragswerk der Stiftung
Schlösser und Gärten Berlin/Brandenburg
Anläßlich der Einweihung des
neugestalteten Heckentheathers Rheinsberg
Maacha Deubner, Sopran
Blue
Noise & Gäste
Klaus Schöpp, Flöten
Kai Rapsch, Oboe
Christian Balcke, Klarinetten
Matthias Leupold, Violine
Anna Carewe, Violoncello
Masatoshi Saito, Kontrabaß
Jens Gagelmann, Schlagzeug
Philip Mayers, Klavier
Lutz Seelig, Regie
Philip Mayers,
musikalische Leitung
Silke Kruse, Bühne
Sukyoung Byun, Kostüm

Inanna und Gilgamesch

Jährlich hält die Stadtgöttin von Uruk, Inanna, "Heilige Hochzeit" mit einem
neuen König. Diesmal soll der wilde Enkidu den amtierenden König Gilgamesch
im Kampf um Inanna besiegen und ablösen, aber als keiner der beiden Männer
den Kampf gewinnt, schließen sie Freundschaft. Inanna ruft Gilgamesch zu
einer weiteren Hochzeit, doch er lehnt ab. Die gedemütigte Göttin läßt den
Himmelsstier auf ihn los. Gemeinsam töten Gilgamesch und Enkidu den Stier.
Aus Rache tötet Inanna Enkidu. Der untröstliche Gilgamesch macht sich auf
die Suche nach dem Lebenswasser für Enkidu, findet es auch, aber Inanna,
Göttin über Leben und Tod, nimmt es ihm, und damit allen Menschen, für immer weg.
Der Text "Inanna und Gilgamesch" gründet auf dem akkadischen Gilgamesch-Epos
aus dem 12. vorchristlichen Jahrhundert und verarbeitet Motive aus
Fragmenten anderer vorderasiatischer, z.T. viel älterer
Gilgamesch-Dichtungen und sumerisch/akkadischer Kultlyrik.
The
antique myth, showed from the point of the divine queen Inanna.
A picture series of hundred
miniature-paintings which had been painted directly on the slides.
Projected on a screen, they can become up to 5x5 meters and are from
an impressive brightness.
The
pictures
will be projected from two projectors alternately - also at the
same time -
so that fascinating mixtures of the pictures are resulting.
In between
there are in very brief form insertions of text which outlines the
history roughly.
Together
with the music Inanna and Gilgamesch for gongs and changgu
which will be performed live
it results an unexpectedly dramatic
narrative form.
A not yet realized open-air performance would open an
additional dimension.
Paintings, text and projection:
Silke
Kruse
Composition und live music:
Il-Ryun
Chung (Changgu and Gongs)
Duration: ca. 50 minutes
Premiere: may 1998 in the
Kulturbrauerei/Berlin

Die Bilderserie wurde
direkt auf Dias gemalt,
die projeziert bis zu 5x5 Meter groß
werden können
und
von beeindruckender Leuchtkraft sind.

Die Bilder werden von zwei Projektoren abwechselnd projeziert
- also
auch gleichzeitig -
so daß fazinierende Mischungen der Bilder
entstehen.
Dazwischen gibt es in sehr
knapper
Form Einblendungen von Text,
der die Geschichte grob skizziert.
Zusammen mit der Musik Inanna und
Gilgamesch für Gongs und Changgu, die
live dazu gespielt wird resultiert eine unerwartet dramatische
Erzählform.
Eine noch nicht realisierte
Freilichtaufführung würde eine zusätzliche
Dimension eröffnen.
Bilder,
Text and Projektion:
Silke
Kruse
Komposition und Live-MusiK:
Il-Ryun
Chung (Changgu und Gongs)
Auffürungsdauer: ca. 50 Minuten
Uraufführung: Mai 1998 in der
Kulturbrauerei/Berlin
Paintings, text and projection:
Silke
Kruse
Composition und live music:
Il-Ryun
Chung (Changgu and Gongs)
Duration: ca. 50 minutes
Premiere: may 1998 in the
Kulturbrauerei/Berlin
Kontakt und Information:
anthea theater international
Gert Engel
e-mail: engel.anthea@t-online.de
Nähere Informationen über Silke
Kruse erhalten Sie auf ihrer Website:
Silke Kruse
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