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Vollständigen Artikel als pdf-Datei: Klang und Rythmus


Darmstädter Echo, 29.März 2006

Musikalische Brücken
Konzert: Ensemble Phorminx präsentiert Kompositionen aus Korea und Deutschland

DARMSTADT. Einen musikalischen Brückenschlag zwischen Korea und Deutschland unternahm das Ensemble Phorminx am Montag in der Darmstädter Akademie für Tonkunst mit der Aufführung einer Gemeinschaftskomposition von Volker Blumenthaler, Il-Ryun Chung und Cord Meijering.

Die drei Komponisten hatten zunächst voneinander unabhängig koreanische Gedichte aus dem 16. Jahrhundert und aus der Neuzeit vertont und die Gesänge – aufeinander Bezug nehmend – durch kommentierende Interludien miteinander verbunden. So war eine fesselnde kleine Kantate entstanden, bei der sich koreanische und deutsche Sprach- wie Musikelemente gegenseitig befruchteten. Vom „Birnen-BlütenRegen“ Il-Ryun Chungs über Blumenthalers „Fremde Farben“ bis zu Meijerings „Gras auf jenem Friedhof“ reichte die thematische Spannweite der Gesänge. Carola Schlüter (Sopran), Angelika Bender (Flöten) und Thomas Löffler (Klarinetten) vertieften sich in die teils bildhaften, teils hintergründigen Stücke, die farbig und ausdrucksstark angelegt waren.

Als Vorspiel zu diesem 2005 entstandenen Werk diente das hier uraufgeführte Trio „Determinatio“ der 1973 in Korea geborenen Komponistin Sungji Jong, die den spielerischen und klanglichen Grenzen der Instrumente Flöte, Bassklarinette und Violoncello gleichsam auf die Spur zu kommen sucht.

Der zweite Programmteil war dem halbstündigen „Allegro sostenuto“ (1986/88) von Helmut Lachenmann gewidmet, einer wegweisenden Komposition, in der die Phänomene von Resonanz und Bewegung auf vielfältige und doch schlüssige Weise thematisiert sind. Thomas Löffler (Klarinette), Wolfgang Lessing (Violoncello) und Andreas Sommer (Klavier) vertieften sich hellhörig in dieses experimentelle Werk, das auch heute noch nichts von seiner aufrüttelnden Neuheit verloren hat. Ein anregender Abend, der von den zahlreichen Zuhörern mit Beifall bedacht wurde.

Klaus Trapp
29.3.2006


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07. April. 2006

Spaß unter Freunden
Ensemble Phorminx in Darmstadt


"Determinatio" heißt das Trio für Flöte, Baßklarinette und Violoncello der 1973 in Korea geborenen Sungji Hong, das im Konzert des Ensemble Phorminx in der Darmstädter Akademie für Tonkunst uraufgeführt wurde. Sein streng beschränkt gehaltenes thematisches Material dient dem Ausloten von Grenzen der Spielbarkeit in extrem hohen und tiefen Frequenzen, den tonlichen Differenzen im scheinbar Nur-Geräuschhaften, dem Umschlagen beabsichtigter Lautstärke in Obertonregenbögen. Sungji Hong war eine Entdeckung des Ensemble Phorminx auf seiner Korea-Reise im vergangenen Herbst.
Als Mitbringsel hatten die Komponisten Volker Blumenthaler, Cord Meijering und der in Deutschland geborene Il-Ryun Chung dem Ensemble eine "Gemeinschaftskomposition" mitgegeben. Dazu hatte zunächst jeder von ihnen einen koreanischen Text vertont. Chung wählte drei Sijo. Die eng sich aneinander reibenden Stimmen von Flöte und Klarinette schienen der Gesangstimme wie diffundierende Schatten zu folgen. Blumenthaler hielt sich an eine deutsche Übersetzung einer "Dasein und Nichtsein" überschriebenen Alltagsbeobachtung um das Farbenspiel einer regennassen und wieder trocknenden Hauswand von Kim Kwang-Kyu. Getupfte Klänge schienen den Farbtupfern in der Überlagerung von Gesehenem und Erinnertem zu entsprechen. Meijering schließlich machte sich die Mühe, sich Rhythmus, Phonetik und Sprachmelodie einer zeitgenössischen Dichtung von Kim Hyesoon anzueignen.

Die "Drei Gesänge" mit einheitlicher Besetzung (Stimme, Flöte und Klarinette) wurden jeweils von einem Komponistenkollegen in insgesamt drei "Interludien" kommentiert. Blumenthalers Kommentar zu Il-Ryun Chung für Piccoloflöte solo erschien als Stimmungsbild der Liebesgedichte zwischen Wärme und Sehnsucht; Meijerings Kommentar zu Blumenthalers "Fremde Farben" wirkte vergleichsweise asketisch, an Chungs Kommentar zu Meijering fielen, wie auch in seiner Eigenkomposition, die engumschlungenen Bläserlinien wie ein Markenzeichen auf. Doch insgesamt wirkten die drei "Kommentare" wie ein Spaß unter Freunden, der sich auch nur diesen dreien angemessen erschließt.

Spannende Hörerfahrungen im abschließenden "Allegro sostenuto" von Helmut Lachenmann waren Klänge, die man nicht eindeutig dem Cello oder der Klarinette zuzurordnen wußte, sowie der Nachhall insbesondere der Klarinette in den frei schwingenden Saiten des geöffneten Flügels.  

Elisabeth Risch


Münstersche Zeitung, Montag, 14. Juli 2003:

Konzert: Lange Musiknacht auf dem Campus

...Ebenfalls eine Uraufführung: Il-Ryun Chungs "Gesang davor" für Blockflöten und Baßkoto - einem asiatischem Saiteninstrument, das wie eine Zither funktioniert und auch ähnlich klingt. Doch statt einer Alpenkulisse zu Zupfen, ließ Koto-Spielerin Makiko Goto eher einen chinesischen Garten aufblühen. Dazu Gudula Rosa an den Riesenflöten - ein exzellenter Hörgenuss.


Für eine Nacht, Kammeroper von Il-Ryun Chung
Kammeroper Schloß Rheinsberg

"Für eine Nacht"
in Il Ryun-Chungs "Für eine Nacht" 
im Heckentheater Schloß Rheinsberg

"Seelenstürme: Saisonstart in Rheinsberg
... Die Instrumente des Ensembles Blue Noise kommentierten die Seelenstürme der Sängerin. Maacha Deubner füllte die Rolle zwischen stiller Traurigkeit, gläserner Zerbrechlichkeit und exaltiertem Übermut wunderbar aus. ..."
Berliner Morgenpost, 5. Juli 1999